Chip 'n Dale - Rescue Rangers


von Phil
19.09.2006

Zu einer Zeit, in der Capcom zu ziemlich jeder Disney Serie, die im TV Programm lief, ein Videospiel auf den Markt brachte, ließ man es sich nicht nehmen, auch den beiden Erdhörnchen Chip und Chap eine Versoftung (und später noch einen Nachfolger) zu spendieren. Unter dem englischen Namen der Serie erschien 1990 "Chip ’n Dale Rescue Rangers", in dem es wie in der Sendung darum geht, den üblen Al Katzone davon abzuhalten, die Stadt unter seine Gewalt zu bekommen. Ganz nebenbei wird auch noch das Bandenmitglied Trixi entführt, was die zwei kleinen Detektive endgültig davon überzeugt, ihrem Erzfeind hinterher zu jagen. Größter Pluspunkt des Spiels ist hierbei wohl der Zweispielermodus, der Chip und Chap auf ihrem Abenteuer miteinander kooperieren lässt.

Nachdem man von der bekannten Titelmelodie begrüßt wurde und die Spielerauswahl (spielt man alleine, kann man zwischen Chip und Chap wählen, außer in ihrem Aussehen unterscheiden sie sich aber nicht) hinter sich gebracht hat, startet man in einer Hintergasse das Abenteuer. Dort warten auch schon Roboterratten und mechanische Bulldoggen darauf, dass man ihnen alle möglichen Gegenstände, die so herumstehen, um die Ohren pfeffert. Denn anders als in vielen anderen Jump & Runs besiegt man in Chip ’n Dale die Widersacher nicht per Kopfsprung, sondern indem man ihnen Kisten, Äpfel, Bomben und sogar Stahlklötze vor den Latz donnert. Berührungen mit den Gegnern sollte man meiden, da dem Spieler nur drei Herzen zur Verfügung stehen, um ein Level zu meistern. Allerdings findet man unter den Kisten auch jede Menge Items, die das Spiel doch sehr erleichtern. Eicheln geben Chip und Chap Energie zurück, jede fünfzigste Blumenkarte, die über die gesamten Levels verstreut sind, bescheren ein zusätzliches Leben. Ebenso die selteneren und versteckten Sterne, von denen man hierfür zehn Stück einsammeln muss.

Man merkt gleich, dass die Levels der Größe der Erdhörnchen angepasst sind, so dass man sich zum Beispiel recht bald in einer Bücherei wiederfindet, in der die herumstehenden Bücher um ein Vielfaches größer sind als die Spielfiguren. Mit der Zeit erscheinen in den Levels auch intelligentere Schergen Al Katzones, wie die Tennis spielenden Kängurus oder Bomben werfenden Raubvögel, deren Geschossen man besser ausweicht. Das Abenteuer führt einen durch Szenarien wie einem Spielzeugladen, in dem Clownskisten und Karnickel, die einem den Teppich unter den Füßen wegzuziehen versuchen, auf einen warten, einen Baumwipfel, der von Raupen und fliegenden Eichhörnchen bewohnt wird, oder auch ein Casino, in dem einen Salamander im Gangstergewand das Leben schwer machen. Neben den Gegnern wartet das Gameplay aber auch immer mal wieder mit anderen Aufgaben auf: Metallobjekte müssen gestapelt werden, um höhere Vorsprünge zu erreichen, mit einem Hammer gilt es eine Wand zu zerstören und Schalter möchten umgelegt werden. Sogar eine Bootsfahrt wartet auf die Ritter des Rechts, die zugegebenermaßen aber unspektakulärer nicht hätte ausfallen können. Auch müssen in einer Küche des Spiels die Wasserhähne der Waschbecken abgedreht werden, um voranschreiten zu können, oder herumrollenden Kugeln und vom Himmel abfallenden Objekten muss ausgewichen werden. Alles in allem gewohnte Jump & Run Kost, die bis auf zwei leicht unfaire Sprungpassagen auf Anhieb gelöst werden kann.

In den in mehrere Abschnitte unterteilten Levels bekommt man hier und da auch mal Unterstützung von weiteren Mitgliedern der Crew: Summi, die Fliege, wartet in Kisten verstaut darauf, dem Befreiungskommando für kurze Zeit als Unverwundbarkeit zu dienen und alle möglichen Widersacher aus dem Weg zu räumen. Samson, die dicke Maus, hingegen sorgt nicht gerade für Überraschungen: Befreit man ihn aus einer Kiste, räumt er lediglich einen Weg frei, in dem es zum nächsten Abschnitt geht. Anscheinend hatte man bei Capcom nicht wirklich eine Idee, wie man diese Figur sinnvoller ins das Geschehen einbinden hätte können. Hat man es dann durch alle Passagen eines der elf Levels geschafft, wartet in vielen Fällen ein Endgegner auf die Hörnchen, der zum jeweiligen Setting der Passagen passt. So bekämpft man unter anderem eine umherfliegende Eule, ein außer Kontrolle geratenes Haushaltsmultifunktionsgerät und auch ein Raumschiff, das mit kleinen Außerirdischen um sich schmeißt. Bekämpft werden auch diese Schurken mit Wurfgeschossen: Nach fünf Treffern mit einem roten Ball, welcher in jedem Endgegnerraum herumliegt und so oft geschmissen werden kann, wie man möchte, geben sie klein bei. Es folgt ein Minispiel, in dem man weitere Sterne finden kann, und eine kleine Storyeinlage, in der man von Trixi, die noch in Gefangenschaft sitzt, oftmals Hinweise für die nächsten Levels bekommt.

Technisch wirkt der Titel überdurchschnittlich für NES Verhältnisse. Die meisten Passagen sind farbenfroh gestaltet, die Charaktere sind gut animiert und das Spielgeschehen läuft stets flüssig ab. Das Design wirkt, bis auf ein Level, stimmig - dieses kommt nicht nur grafisch total hässlich im Vergleich zum Rest des Spiels daher, sondern ergibt auch im Aufbau überhaupt keinen Sinn: Oder habt ihr eine Idee, weshalb man zunächst durch einen Garten streift, um plötzlich in einer Wüste zu landen, dessen Endgegner ein großer Fisch unter Wasser darstellt? Nun denn .. guckt man hierüber hinweg, bleibt trotzdem ein positiver Gesamteindruck zurück. Allerdings hätte man sich soundtechnisch mehr Mühe geben können. Die Melodien sind zwar keine nervigen Dudeleien, wie es ja bei so manchem Spiel der etwas älteren Generation der Fall ist, wiederholen sich in den einzelnen Levels aber oft und haben auch alles andere als Ohrwurmcharakter. Bis auf das letzte Level hat man nicht den Eindruck, dass da die selbe Spiel- bzw. Musikschmiede bei "Mega Man" am Werk war.

Alles in allem bleibt Chip ’n Dale Rescue Rangers jedoch ein durch und durch solides Jump & Run, welches vor allem Spieler anspricht, die gerne kooperativ mit einem Freund spielen. Zwar kann das Spiel anfangs auch Einzelspieler begeistern, mit einer Spielzeit von weniger als einer Stunde, sofern man geübt ist, wird man das Modul aber wohl nur dann aus dem Schrank kramen, wenn zwei Spieler nach dem Pad greifen. Wer also einen Mitstreiter gefunden hat, kann bedenkenlos zugreifen.


Wertung


7/10

Kommentare



Phil
Da ich selbst sowohl ein Fan von 2D Jump & Runs wie allgemein von Spielen bin, bei denen man auch einmal zu zweit gegen das Böse antreten darf, finde ich immer mal wieder Gefallen daran, mit Chip und Chap für Recht und Ordnung zu sorgen, vorausgesetzt jemand anders übernimmt den Part des zweiten Spielers. Weil der Umfang des Abenteuers nicht gerade riesig ist, lässt es sich auf die Schnelle durchspielen und sorgt für kurzweiligen Spaß. Da das Gameplay zwar als solide bezeichnet werden kann, aber eben auch nichts wirklich Besonderes darstellt, ist es auch gar nicht schlimm, dass es nicht so viele Welten wie in einem Super Mario Bros. 3 oder einem Kirby’s Adventure gibt.



Chancell
Als Fan von Capcoms Disney-Umsetzungen war es nur eine Frage der Zeit, nach Duck Tales die Ritter des Rechts in Angriff zu nehmen: Mit Vorliebe spiele ich den in der Zeichentrickserie modisch an Indiana Jones angelehnten Chip. Das Gesamtpotential entfesselt die Nagetiertruppe aber erst in Coop-Begleitung seitens Chap „Magnum“, der mit seinem roten Hawaiihemd und roter Nase - von einem humanen 8-Bit-gestählten Mitspieler gesteuert - für eine tatkräftige Mutiplayergaudi sorgt. Das Spiel ist moderat schwer, schaut gut aus, die Musik im letzten Level lässt den Adrenalinspiegel steigen. Ein Highscore-Modus, Passwort-Feature und engmaschigeres Feintuning im Leveldesign sowie ein etwas größerer Umfang und der Titel hätte das Potential zum wirklichen Kulthit gehabt.



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